©Teeth.BillionPhotos.com / Fotolia 234582235

Wie in meinem letzten Artikel beschrieben, ist ein großes Problem unserer Zeit der fehlende Vater. Heute nun möchte ich erklären, wie wir von der Vatersehnsucht zur Vaterliebe kommen.

Wie heißt es so schön im Volksmund:

„Vater werden ist nicht schwer, es zu sein dagegen sehr!“

Ja, Vater sein ist ein Full-time-Job: es reicht nicht nur, das Geld nach Hause zu bringen und Geschenke zu machen. Das wichtigste Geschenk für deine Kinder bist du selbst als Vater!

Genauso wie die Mutter muss sich der Vater zu 100 % verantwortlich für seine Kinder fühlen, er muss wissen, wo ihre Medikamente stehen, wie es ihnen in der Schule geht, was sie besorgt und ängstigt und was sie interessiert. Denn sie haben nur dich und du bist ihr größter Held und ihr Vorbild, dem sie nacheifern. So wie der Vater mit sich und seiner Umwelt umgeht, so wie er sein Leben führt, wird dies auch der Sohn tun.

Vaterlos aufzuwachsen kann als ein derart großes Trauma erlebt werden, dass es sich später auf alle zwischenmenschlichen Beziehungen auswirken kann.

Warum man Väter nicht ersetzen kann

Vaterliebe ist neben Mutterliebe das Kostbarste auf der Welt. Sie läßt den Sohn zum Mann heranwachsen und macht ihn fähig, ein ganzer Mann zu sein. Sie gibt der Tochter ihre Identität und ihren Wert als Frau und stärkt beiderlei Rücken, damit sie ins Leben gehen können.

Der Vater ist neben der Mutter die wichtigste Bezugsperson für das Kind. Es existiert eine tiefe, ureigene, unbegründbare Liebe des Kindes für seinen Vater.

Der Vater repräsentiert für den Sohn den männlichen Teil seines Selbst. Von ihm geht eine kraftvollere Liebe aus, der Vater fühlt sich handfester an. Das Kind empfängt von ihm Zutrauen, Vertrauen in sich selbst und eine optimistische Grundhaltung, die es ermutigt, in die Welt zu gehen.

Wir sehnen uns nach der Liebe des Vaters, die uns stärkt und annimmt. Wir brauchen einen Lehrer, der uns die allgemeinen Prinzipien des Lebens lehrt und uns auf unseren angeborenen Platz führt. Der Vater lehrt uns, welche Kämpfe es sich auszutragen lohnt und welche nicht und dass der Kampf manchmal auch das Nachgeben und Verzeihen ist.

Wir brauchen jemanden, der über innere Autorität verfügt und uns sagt, dass alles in Ordnung kommt und dass unsere Erlebnisse normal sind. Jemanden, der uns klar macht, wo unser Platz im Leben ist.

Während die Mutterliebe für das Urvertrauen steht, die Geborgenheit und innere Sicherheit, steht der Vater für die Identität, die Selbstwirksamkeit und den Sinn und die Aufgabe im Leben, woraus Selbstbewusstsein und Selbstwert wächst.

Es gibt ein natürliches Bedürfnis des Kindes, Mutter und Vater zusammen zu erleben. Dann erlebt es sich als Ganzes.

Es ist dieses Gefühl der Vollständigkeit, wofür ein Kind seinen Vater braucht.

Es muss von ihm hören:

„Ich bin den Vater. Du bist mein Kind.“

Das ist die Basis seiner Identität. Dann kann es sagen:

„Ich bin das Kind meiner Mutter und meines Vaters. Ich bin!“

Die Aufgabe eines Vaters

Der Vater und seine Reaktion auf uns ist die erste Reaktion eines „Außenstehenden.“ Während die Mutterliebe quasi garantiert ist, muss sich der Vater erst entscheiden, das Kind anzunehmen.

Er „muss“ einen nicht lieben. Er muss sich entscheiden, uns zu lieben!

Er entscheidet sich für uns, bemerkt uns unter vielen anderen, seine Liebe erlöst, befreit und erfüllt daher in ganz besonderer Weise.

Die Aufgabe eines Vaters ist Schutz und Fürsorge. Er sorgt für das Wohl und die Sicherheit seiner Frau und Kinder, genau genommen dient er ihnen und kämpft für sie, sogar mit seinem eigenen Leben!

Er schenkt ihnen seine Liebe und sein Vertrauen und Zutrauen, er lehrt sie, was es heißt, ein Mann zu sein bzw. eine geliebte Frau. Er stärkt ihnen den Rücken, glaubt an sie und schickt sie mit seinem Segen ins Leben.


Was Kinder von ihrem Vater hören müssen sind Sätze wie diese:

Ich hab dich lieb!

Ich glaube an dich!

Gut gemacht!

Du bist etwas Besonderes!

Ich bin stolz auf Dich!

Vaterschaft nach Gottes Plan

Für viele Männer ist Gott langweilig geworden, weil er zu nett und zu lieb dargestellt wird. Ist der leibliche Vater fern oder gar verletzend, erwartet man dies auch von Gott und es entsteht eine spirituelle Wunde.

Doch Gott begegnet uns nicht nur als liebevoller und fürsorglicher Vater und im Licht, sondern gerade auch in der Dunkelheit und im Kampf.
Die Bibel verweist uns auf einen Gott, der die Abgründe der menschlichen Seele anspricht und uns darin begegnet. Gerade durch diese „Schattenerfahrung“ des Scheiterns wird ein Mann zum Mann und lernt, seine Kraft nicht nur aus sich selbst zu ziehen.

Vaterschaft heißt auch Verantwortung und Leiterschaft in Gerechtigkeit und Liebe. Als Vater und Ehemann, als Leiter und Kollege, als Freund und in der Gesellschaft.

Das heißt, opferbereit zu sein, selbstlos und sich aktiv für seine Familie und das größere Ganze einzusetzen.

Weitere Eigenschaften eines ganzen Mannes sind Entschlossenheit und Großmut, aber auch Sanftheit und Demut.

Einer solchen Autorität, die es gut mit einem meint, folgt man gerne und freiwillig!

Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, wie wichtig Gott gerade Vaterschaft ist und auch die Erfahrung, Ihn selbst als liebevollen und starken Vater zu erleben.

„Jeder Mann, der einen jüngeren Mann beschützt, wertschätzt und ihn lehrt, wie man überlebt und Erfolg hat, ist dessen männliche Mutter.“ (Richard Rohr)

Zum Schluss möchte ich noch ein paar Empfehlungen an Väter geben, die uns helfen können, unsere wichtige Rolle und Aufgabe einzunehmen:

  • Liebe und respektiere die Mutter deiner Kinder, egal ob ihr zusammen oder getrennt seid.
    Ihr seid die Grundlage ihrer Identität, der tragende Balken in ihrem ganzen Leben.
  • Liebe und respektiere deine Kinder. Sie gehen aus dir hervor und sind ein Geschenk
    Gottes und eigenständige Personen.
  • Erziehe sie durch dein Vorbild. Was du nicht erfüllst, erwarte auch nicht von ihnen.
  • Verzeihe dir deine Fehler und bekenne dich zu deinen Fehlern, auch gegenüber deinen
    Kindern. Lerne aus ihnen und mache es besser.
  • Verzeihe auch anderen ihre Fehler und vergib ihnen.
  • Sei für deine Kinder da und schenke ihnen Aufmerksamkeit, wenn sie sich dir zuwenden. In diesem Augenblick bist du die wichtigste Person in ihrem Leben.
  •  Sie dir deiner Macht gegenüber deinen Kindern bewusst. Du bist ihre größte Autorität.
    Du bist ihr größter Schutz, sei aber achtsam und behutsam.
  • Verbringe Zeit mit deinen Kindern, die nur du ihnen schenkst. Das gibt ihnen Anerkennung und Bedeutung.
    esinteressiert zeigen.
  • Sei gewiss, dass deine Kinder dich lieben, egal, ob sie sich mal trotzig, abwehrend oder

und vergiß nie:

DU BIST NEBEN DER MUTTER DER WICHITGSTE MENSCH FÜR SIE!

Klaus Hettmer für Protactics